Der Alhambrapalast, den die beiden Maurenkönige Jusuf I. (1333 - 1354) und Mohammed V. (1354 - 1391) erbauen ließen, diente dem Adelsgeschlecht der Nasriden als Residenz. Kunsthistorisch hochbedeutsam ist der Alcázar hauptsächlich wegen der herrlichen Ausgestaltung seiner Säle sowie seines Grundrisses. Die beeindruckende Palastanlage besteht aus drei Hauptteilen: dem so genannten Mexuar (Ratssaal), in welchem Versammlungen und öffentliche Gerichtssitzungen stattfanden, dem Königlichen Palast (bzw. "Diwán" oder "El Serrallo") im engeren Sinne sowie dem Harem (bzw. Harim), also den Räumlichkeiten, die den Damen als Wohnungen dienten. Sämtliche zu diesen drei Hauptkomplexen rechnende Räume besitzen einen Hof als Zentrum - beim Harem ist es der "Löwenhof" (Patio de los Leones), beim Diwán der "Myrtenhof" (Patio de los Mirtos bzw. Patio de los Arrayanes).


Mexuar und Myrtenhof
Der frühere Gerichtssaal der Alhambra ist mit Azulejos verziert; nachdem die Christen in Granada die Macht übernommen hatten, wurde er als Kapelle verwendet. An den Mexuar grenzt der Patio de Mexuar an, durch dessen rechtes Fenster eine der beeindruckendsten Fassaden des maurischen Schlosses zu sehen ist. Vom Patio de Mexuar aus erreicht man den berühmten Myrtenhof, dessen Namen von den Myrten herrührt, die den Teich des Hofs umstehen. Am nördlichen Ende des knapp 40 Meter langen Myrtenhofs ragt der 45 Meter hohe Torre de Comares auf.

In diesem Turm befindet sich ein imposanter, in maurischen Zeiten als Thronsaal verwendeter Raum, die Sala de los Embajadores (Saal der Gesandten). Hier empfing der Maurenkönig ausländische Diplomaten. Die Sala de los Embajadores zählt zu den am schönsten ausgestalteten Räumen der gesamten Alhambra: Besondere Beachtung verdienen die hohen Fenster, die herrlichen Ornamente, die aus geometrischen und blumenartigen Mustern sowie Versen aus dem Koran bestehen, und nicht zuletzt die Lärchenholz-Kuppel.

 


Vom Löwenhof zur Sala de los Ajimeces
Ein weltweit einzigartiges Gesamtkunstwerk aus Architektur, Licht, Schatten und Wasser ist der Patio de los Leones, das Zentrum der Winterresidenz, die Mohammed V. errichten ließ. Der 16 Meter breite und 28 Meter lange Löwenhof, den man über die Sala de los Mozárabes (an der südöstlichen Ecke des Myrtenhofes) erreicht, wird von 124 Säulen umstanden; doch richten sich die staunenden Augen des Besuchers freilich zunächst auf den von zwölf Marmor-Löwen getragenen, an Schönheit nicht zu übertreffenden Löwenbrunnen. Ein wahrer Augenschmaus sind auch die Arkadenbögen, die so elegant gestaltet wurden, dass sie über allem Irdischen zu schweben scheinen.

Durch die Sala de los Mozárabes, die sich an der südöstlichen Seite des Löwenhofs befindet, gelangt man in die Sala de los Abencerrajes, die ihren Namen dem aristokratischen Geschlecht der Abencerragen verdankt. Blickfang des Saals ist der zwölfeckige, aus Marmor gefertigte Brunnen, der von einer prächtigen Stalaktiten-Kuppel überspannt wird.

Der ebenso wie der Gesandtensaal von einer Stalaktiten-Kuppel überdachte "Saal der Könige" (Sala de los Reyes, Sala de la Justicia) befindet sich an der südlichen Seite des Patio de los Leones. Die Nebenzimmer der Sala de los Reyes lohnen einen Besuch, vor allem wegen der Deckenfresken aus dem 15. Jahrhundert. Eine kulturhistorische Rarität ersten Ranges sind die Gemälde, die Szenen aus dem höfischen Leben zeigen - untersagt der Islam doch in der Regel bildliche Darstellungen.

Den "Saal der zwei Schwestern" (Sala de las Dos Hermanas) erreicht man über die Nordseite des Patio de los Leones. Vermutlich diente dieser mit Fliesen und Stuck geschmückte Saal den höfischen Damen als Winterdomizil. Seine Stalaktiten-Kuppel ist das größte Gewölbe dieser Art, das jemals von Arabern geschaffen wurde. Gleich in unmittelbarer Nähe des "Saals der zwei Schwestern" befindet sich die Sala de los Ajimeces, die insbesondere aufgrund ihres hübschen Erkers (Mirador de Lindaraja bzw. Mirador de Daraxa genannt) sehr berühmt ist. Von hier aus genießt man eine unvergessliche Aussicht auf den Patio de los Leones.


Vom "Putzraum der Königin" (Tocador de la Reina) zur Bäderanlage (Baños)
Wer die Sala de las Dos Hermanas durchschreitet, die Galerie des Jardín de Daraxa entlanggeht und durch die folgenden zwei Säle spaziert, gelangt zum Tocador de la Reina. Der "Putzraum der Königin" befindet sich in der ersten Etage des Torre del Peinador, der als Aussichtsturm zur allerersten Wahl zählt.

Mit seinen Orangenbäumen und Zypressen ist der Jardín de Daraxa ein wahres "Paradiesgärtlein". Der ehemalige Schlossgarten ist über den Patio de la Reja zu erreichen. An der südlichen Seite des Jardíns öffnet sich der Eingang zu den riesigen unterirdischen Palasträumen, von denen die Sala de los Secretos (Saal der Geheimnisse) am bekanntesten ist.

Gleichfalls unter der Erde erstrecken sich die während der Regierungszeit Jusufs I. angelegten Bäder (Baños). Besonderes Augenmerk verdienen zwei Frauenbäder, ein zierliches Becken sowie vor allem die Sala de las Camas, die eine Galerie besitzt, auf der während der Badezeremonie Sängerinnen ihre Kunst zum besten gaben.


Die Türme der Alhambra
An Türmen herrscht auf der Alhambrahöhe kein Mangel: Wir haben insgesamt sage und schreibe dreizehn Türme gezählt! Die "Turm-Tour" sollte man im Osten des Alhambrapalastes beginnen: Hier sind der Torre de las Damas und der Torre de los Picos zu erklettern - die Aussicht lohnt die Mühe. Bei erstgenanntem Turm handelt es sich um einen Festungsturm, an dem eine Moschee und eine Bogenhalle angebaut wurden; sehenswert ist auch das schöne Wasserbecken. Gleich neben der Puerta del Arrabal erhebt sich der Torre de los Picos, zu Deutsch: Zinnenturm. Zur Linken des früheren Convento de San Francisco ragt der Torre del Candil empor. In dem ehemaligen Kloster residiert heute der "Parador Nacional". Wegen seines hübschen Innenhofes und dem prunkvoll verzierten Hauptsaal lohnt ein Abstecher zum "Turm der Gefangenen" (Torre de la Cautiva), und der Torre de las Infantas ist aufgrund seiner üppig dekorierten Innenhalle einen Besuch wert. Die beiden etwas gedrungeneren Türme Torre de Juan de Arce und Torre de Baltasar de la Cruz befinden sich an der südlichen Seite des Alhambrahügels, während der Torre del Agua am östlichen Ende des Hügels emporragt. Weitere beachtenswerte Türme sind der namenlose, bei der Puerta de los Siete Suelos ("Tor der Sieben Stockwerke") stehende Turm, der Torre de las Cabezas sowie der Torre de las Cabezas, der sich in unmittelbarer Nähe des Ausgangs befindet.